Einzelhandel in der Coronakrise: Wie die Digitalisierung hilft

Covid-19 und die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie stellen gerade jetzt den stationären Einzelhandel und die Gastronomie vor große Herausforderungen. Besonders betroffen sind Läden, die weder Onlineshop noch Lieferservice haben. Noch schlechter geht es den Gastronomie-Betrieben und Veranstaltern, die auf die physische Anwesenheit ihrer Gäste angewiesen sind. Was also tun?

Was können stationäre Händler und Gastronomen jetzt tun, um mit digitalen Mitteln ihre Kunden zu erreichen. Wir haben mit Marilyn Repp vom Kompetenzzentrum Handel gesprochen.

Coronakrise und kein Onlineshop: Was nun?

Auch ohne eigenen Onlineshop können Sie als Händler online ihre Artikel verkaufen. Bei den Plattformen muss im Allgemeinen zwischen Social Media und Online Marktplätzen unterschieden werden. Neben den bekannten Marktplätzen wie Amazon, ebay und Google Shopping gibt es viele kleine und lokale Plattformen (locamo, nebenan.de), über die Sie Ihre Kunden erreichen können.

Das Kompetenzzentrum Handel unterstützt die Initiative kaufnebenan.de.

Im Bereich Social Media ist es wichtig, die richtigen Kanäle auszusuchen. Während Instagram vor allem im Bereich Fashion interessant ist, sind auf Youtube vor allem DoItYouself-Konzepte gefragt, die von Bastelläden und Baumärkten bespielt werden können. ÜberFacebook und Whatsapp sind auch ältere Zielgruppen gut zu erreichen.

Um herauszufinden, wo sich Ihre Zielgruppen aufhalten, empfiehlt es sich, Stammkunden zu fragen, welche Plattformen oder Kanäle sie nutzen. Tipps für den Einstieg in den Verkauf auf Online Marktplätzen oder Social Media finden Sie auf der Seite des Kompetenzzentrum Handel.

Wie kann ich einen eigenen Onlineshop eröffnen?

Die Einrichtung eines eigenen Onlineshops sollte wohl überlegt sein, denn sie bedeutet eine deutliche Investition. Zudem muss der Shop gut gepflegt werden. Es müssen Bilder erstellt, Texte geschrieben und alles für die Suchmaschinen optimiert werden. Auch die Benutzerfreundlichkeit steht ganz stark im Fokus. Des Weiteren muss auch ein Online-Shop in den sozialen Medien beworben werden.

Daher empfiehlt es sich, Onlineshops nur zu eröffnen, wenn diese sowieso geplant waren. Alle anderen Einzelhändler sollten eher auf die bereits vorhandenen Online-Marktplätze oder die durch die Corona-Krise regional eingerichteten Plattformen wie zum Beispiel Lokal kaufen oder Kiel hilft Kiel zurückgreifen.

Wie kann ich auch online meine Kundschaft erreichen?

Gerade online ist das sogenannte Community-Bildung besonders wichtig. Wer seine Kundschaft über Facebook und Co erreichen will, sollte nicht einfach nur Produkte posten, sondern eine persönliche und emotionale Bindung zu seinen Kunden erzeugen. Hilfreich kann während der Corona-Krise eine Vernetzung zu anderen regionalen Händlern sein, um gemeinsame Aktionen auf die Beine zu stellen. Kreativität ist gefragt. So könnten zum Beispiel spezielle #Stayhome-Pakete geschnürt werden, die bestellt und auch verschenkt werden können. Wichtig ist, den Bestellvorgang möglichst einfach und verständlich zu gestalten.


Zudem bieten soziale Netzwerke die Möglichkeit, Anzeigen zu schalten. Ebenfalls können Sie Ihre Stammkunden über die Einrichtung eines Newsletters regelmäßig erreichen.

Kreative Ideen in der Krise gefragt

Überall können wir inzwischen beobachten, wie regionale Initiativen mit kreativen Ideen versuchen, die Einzelhändler und Gastronomiebetriebe vor Ort zu unterstützen. So braut zum Beispiel eine Kieler Brauerei ein Solidaritäts-Bier, dessen Erlöse unter den Kieler Gastronomen verteilt werden. Woanders gibt es Ideen für Autokinos und "Keiner kommt"-Konzerte, also Konzertkarten-Verkauf für Fantasiekonzerte.


Ebenfalls können Konzepte wie Kleidungs- oder Bücherpakete interessant sein. Statt Ladenverkauf stellen die Händler Outfits zusammen und schicken sie den Kunden per Post zu. Ein Klassiker ist inzwischen der Gutschein-Verkauf. Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt.

Wie organisiere ich die Lieferung meiner Produkte?

Eine große Herausforderung wird zunehmend die Logistik. Da immer mehr Dinge geliefert werden, stoßen auch die üblichen Paketdienste langsam an ihre Grenzen.


Regional haben sich auch hier Initiativen gegründet, um Lieferungen zu organisieren. Zum Beispiel bieten Unternehmen, deren Auftragslage eingebrochen ist, ihren Fuhrpark an, um die Händler bei der Auslieferung zu unterstützen. Auch auf freiwilliger Basis sind viele Beispiele zu finden.


Waren dürfen natürlich auch weiterhin selbst abgeholt werden. Ein Textilshop in Kiel hat ein Drive Through eingerichtet. Kunden fahren mit dem Auto vor das Lager, hupen und rufen dem Mitarbeitenden ihren Namen zu und diese legen dann die Pakete kontaktlos in den Kofferraum.

Welche kontaktlosen Bezahlsysteme gibt es?

Im Laden sind vor allem die NFC-fähigen EC-Karten gefragt. Zu den Online-Bezahlsystemen sind die Direktüberweisung und Paypal die am weitesten verbreiteten Zahlungsmittel. Beides ist schnell und einfach eingerichtet, kostet aber auch Geld. Lastschriften und Kreditkartenzahlungen können über die Hausbank eingerichtet werden.

Das Kompetenzzentrum Handel unterstützt Sie

Das Kompetenzzentrum Handel unterstützt deutschlandweit Einzelhändler und die mittelständische Handelsbranche bei der Digitalisierung. Im Zuge der Coronakrise gibt es spezielle Angebote, die Sie auf der Webseite finden.