Digital Leadership – Fit für die digitale Transformation

Mit der digitalen Transformation sind auch Agilität und neue Management-Methoden in den Mittelpunkt gerückt. Doch was heißt es eigentlich, ein "Digital Leader" zu sein?

Willkommen in der VUCA-Welt

Der digitale Wandel sowie der hohe Bedarf an Anpassung an die globalen und ökologischen Herausforderungen verlangen von den Unternehmen eine immer höhere Flexibilität und Innovationsfähigkeit. VUCA beschreibt diese schwierigen Rahmenbedingungen für die moderne Unternehmensführung. Es ist ein Akronym für die englischen Begriffe

  • volatility (Volatilität)
  • uncertainty (Unsicherheit)
  • complexity (Komplexität)
  • ambiguity (Mehrdeutigkeit)

Digital Leadership bedeutet, die digitalen Möglichkeiten und transformativen Notwendigkeiten zu nutzen und sie in das Geschäfts- und Führungsmodell zu integrieren. Dies bedeutet u.a. auch, das tatsächliche Kundenbedürfnis in den Mittelpunkt zu nehmen und durch iteratives Testen und Lernen (statt langjähriger Planungen) Lösungen zu finden und sich Schritt für Schritt zu verbessern.

Digital Leadership mit dem VOPA+ Modell

Ein Führungsmodell, das den Geist des Digital Leadership gut umreißt, ist das sogenannte VOPA+ Modell. Es basiert auf einem Modell von Willms Buhse und wurde von Thorsten Petry um den Punkt Vertrauen (+) ergänzt.

Führung nach dem VOPA+ Modell orientiert sich an den Werten:

  • Vernetzung: Das bedeutet u.a. die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Unternehmen zu fördern, Menschen zu verbinden, Orte des Austausches zu schaffen und sich mit anderen Unternehmer*innen zu vernetzen.
  • Offenheit: Als Führungskraft sollten Sie offen sein für Neues und die Ideen Ihrer Mitarbeitenden. Dazu gehört auch eine offene Feedback- und Fehlerkultur.
  • Partizipation: Beziehen Sie Ihre Mitarbeitenden ein und verzichten Sie auf Mikromanagement. Fördern Sie die kollektive Intelligenz und werden Sie zu einem Coach für Ihre Mitarbeitenden.
  • Agilität: Klammern Sie sich nicht ans Altbewährte, beginnen Sie zu experimentieren und denken Sie in Szenarien.
  • Vertrauen: Lassen Sie Ihren Mitarbeitenden Gestaltungsräume und vertrauen Sie ihrer Motivation und ihrem Können.

Was ist eigentlich agile Organisationsentwicklung?

Die digitale Transformation geht natürlich auch nicht spurlos an der Art und Weise vorbei, wie kleine und mittelständische Unternehmen organisiert sind. Dadurch, dass es heute viel einfacher geworden ist neue Geschäftsmodelle am Markt auszuprobieren, steigt auch das Risiko, dass klassische Geschäftsmodelle und ganze Branchen in Frage gestellt werden. Die Dynamiken am Markt haben zugenommen. Eine Unternehmensorganisation, die auf langfristige und sogar mittelfristige Planungen angewiesen ist, kann hier nicht mehr mithalten. In einer agilen Organisation steht die kollegiale bzw. kooperative Führung im Mittelpunkt. Das bedeutet auch, dass die Führung auf mehr Stellen verteilt wird, indem den Teams mehr Verantwortung übertragen wird.

Dadurch kann ein Unternehmen schneller auf veränderte Marktbedingungen reagieren und Veränderungsprozesse wie die Digitalisierung in einer höheren Geschwindigkeit durchführen. Das heißt aber nicht, dass alte Strukturen zwangsläufig sofort zu hundert Prozent aufgegeben werden müssen. In vielen Fällen reicht es aus, nur Teile der Unternehmensorganisation umzugestalten, um eine höhere Agilität zu erreichen.

Machen jetzt alle SCRUM?

Die wohl bekannteste agile Projektmanagement-Methode ist wohl SCRUM. Das liegt nicht zuletzt daran, dass 2001 siebzehn Softwareentwickler das „Agile Manifest“ formulierten, mit denen sie die Grundlage der modernen agilen Bewegung legten. Doch die Methode ist nicht für alle Workflows und Projekte geeignet. Daher sollten Sie genau hinschauen, was Sie erreichen wollen und ob nicht andere Projektmanagement-Methoden besser geeignet sind.

Agiles Mindset

Digital Leadership und eine agilere Unternehmensorganisation ist keine Frage der Methoden, sondern vor allem der Haltung, dem Mindset. Eine Führungskraft mit einem agilen Mindset ist bereit, permanent dazu zu lernen. Sie durchbricht konventionelles Denken, ist bereit zu experimentieren und versucht sich in die Perspektiven anderer Menschen hinein zu denken.

Wer ein Kanban-Board einführt und es als Leistungskontrolle sieht, wird wenig Erfolg mit diesem Instrument haben. Die Haltung hinter Kanban ist, dass das Team gemeinsam etwas erreichen will und dafür müssen alle einen Überblick über das Projekt und den Fortschritt haben. Digital Leadership bedeutet also vor allem eine Veränderung der Unternehmenskultur und im Selbstverständnis von Führung.

Ermöglichen und inspirieren statt anweisen

Im Bezug auf Digital Leadership wird oft vom Enabling oder Servant Leadership gesprochen. Statt als Anweiser*in versteht sich Führung als Moderation oder Coach. Sie schafft Räume, in denen Teams und Mitarbeitende ihre Ideen, ihre Kompetenzen und ihre Motivation entfalten können. Gleichzeitig sorgt sie für Inspiration. So gibt es Unternehmen, die kleine Vorträge und Podiumsdiskussionen mit interessanten Gästen veranstalten, um ihren Teams neue Impulse zu geben. Genauso gehören Ideenworkshops (z.B. mit Design Thinking) dazu. Digital Leadership erkennt das Engagement seiner Mitarbeitenden an und lässt keine Ideen und Verbesserungsvorschläge ungehört. Bei Veränderungen werden die Mitarbeitende mit einbezogen statt ihnen Entscheidungen mitzuteilen.

Führen wie ein Fußballcoach

Literaturempfehlung

Digital Leadership: Erfolgreiches Führen in Zeiten der Digital Economy – Thorsten Petry - 2016
Agile Organisationsentwicklung – Bernd Oestereich, Claudia Schröder – 2020
Foresight Mindset™: Die Kunst und Wissenschaft, seine Zukunft zu designen – Mario Herger - 2019
Agiles Mindset: Mitarbeiter entwickeln, Zukunft der Arbeit gestalten – Svenja Hofert - 2018