Promecon GmbH – Übertragung von Infusionsdaten in eine digitale Patientenakte

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Wie kann ein zuvor mechanisches Produkt digitalisiert werden, um Infusionsdaten barrierefrei in die digitale Patientenakte (ePA) zu übertragen? Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kiel unterstützte die Promecon GmbH bei der Konzeption einer ersten Hardware- Lösung.

Wenn man an medizinische Einwegprodukte denkt, denkt man meist nicht sofort daran, dass auch hier Potenziale für Digitalisierung stecken könnten. So ging es auch der Promecon GmbH, einem kleinen Familienunternehmen aus Hamburg, das seit 20 Jahren medizinische Einwegprodukte entwickelt, herstellt und vertreibt.

„In der ersten Betrachtung ist Digitalisierung für unsere Produkte kein Muss, aber wir wollten uns dem Thema nicht verschließen und evaluieren, ob sich das für das eine oder andere Produkt lohnen könnte“, erklärt Philipp Kraus, Entwicklungsleiter bei der Promecon GmbH, „Elastomerpumpen sind rein mechanisch. Je mehr Funktionen sie aufweisen, umso mehr mechanische Bauteile müssen sie beinhalten und umso teurer wird das Produkt. Wenn eine elektronische oder intelligente Komponente eingebaut wäre, könnte das gesamte mechanische System vereinheitlicht werden und zusätzliche Funktionalität durch die Elektronik abgebildet werden. Zum Beispiel für unterschiedliche Therapieformen.“

Für das Umsetzungsprojekt mit dem M4KK kristallisierte sich noch ein weiteres Szenario heraus. „Eine elektronische Infusionspumpe gibt es bereits seit 20 Jahren auf dem Markt. Was aber bis heute fehlt ist eine Schnittstelle, die die Daten direkt in die neue elektronische Patientenakte überträgt. Aktuell werden die Daten noch immer manuell abgelesen und dann händisch am Computer eingetragen. Mit einer entsprechenden Schnittstelle zum Krankenhaussystem könnte dieser Arbeitsablauf erleichtert werden“, erläutert Philipp Kraus den Einstieg in das Projekt.

Infusionsdaten erfassen

Zunächst wurde im Zuge einer Impulswerft geklärt, welche Funktechnologien sich für eine Übertragung in einem Krankenhaus eignen. Aus der Prüfung ergab sich der Einsatz von Bluetooth im Gerät und WLAN auf dem Zwischengerät (Gateway). Über das WLAN können die Daten direkt in die Datenbank des Krankenhauses gespielt werden.

Die konzipierte Lösung besteht aktuell aus drei Komponenten, einem Sensor, dem Transmitter (Mikrokontroller) und einem Auslesegerät. Der Durchfluss-Sensor misst den Infusionsverlauf und sendet die Daten mittels Bluetooth Low Energy (BLE) an den Transmitter und von dort an ein Auslesegerät.

Das Auslesegerät besteht aus einer spezifischen App für Android-Smartphones und dem Mikrokontroller. Über die Bluetooth-Schnittstelle nimmt die App Verbindung zu dem Transmitter auf, der den Flussrate- und Temperaturwert der Flüssigkeit an die App überträgt. Von dort kann der Benutzende dann die Werte auf der App ablesen.

Steuerung und Auslesen per App

„Im Moment funktioniert der Ablauf im Krankenhaus noch so: Der Arzt oder das Pflegepersonal kontrollieren mehrfach am Tag die Pumpen. Laufen diese korrekt, ist die richtige Menge der Medikation geflossen. Sollte der Patient einen höheren Bedarf haben, so wird dies auf einem Zettel protokolliert. Sofern das Krankenhaus eine digitale Akte hat, werden die Daten darin eingepflegt“, erläutert Philipp Kraus den Ablauf.

In der digitalisierten Form startet das medizinische Personal die Messung der Infusionspumpe nun mit der App. Dazu wird zunächst die richtige Pumpe ausgewählt, mit der sich die App verbinden soll. Nachdem beide Geräte miteinander gekoppelt sind, können Parameter wie z.B. der Patientenname, die ID, die nominale Flussrate, das nominale und das befüllte Volumen eingeben werden.

Danach kann die App die Messung an der Infusionspumpe darstellen, indem der aufgebaute Sensor die Temperatur und die Flussrate der Flüssigkeit ausliest. Diese Werte werden dann jede Sekunde durch die Bluetooth-Schnittstelle aus dem Sensor auf die App übertragen.

Jedes Mal, wenn die Werte übertragen werden, rechnet die App die neuen Variablen aus und die Ergebnisse werden in der App angezeigt. Die übertragenden Daten können im Speicher des Sensors (begrenzt auf eine Verwendung) oder dem Handy gespeichert werden.

Ausblick und weiteres Vorgehen

Im nächsten Schritt kann nun eine Schnittstelle zwischen der App und dem Krankenhaussystem entwickelt werden. Die Promecon GmbH bewertet das Ergebnis positiv. „Wir wollten uns ansehen, welche Möglichkeiten die Digitalisierung uns bringen kann und das hat die Arbeit des Mittelstands 4.0-Kompetenzzentrums aufgezeigt. Das Projekt hat einen innovativen Weg eröffnet, wie mechanische Infusionspumpen mit digitalen Komponenten angereichert werden können, so dass diese mit digitalen Systemen verbunden werden können“, so Philipp Kraus. „Uns ging es vor allem darum zu prüfen, wie man den Arbeitsablauf im Krankenhaus vereinfachen kann. Jetzt fehlt nur noch das letzte Puzzleteil, um diese Daten nahtlos in die elektronische Patientenakte zu übertragen.“

Ansprechpartner

David Caraveo
Medizintechnik

David Caraveo

So geht das mit den Projekten

Wenn Sie gerne wissen möchten, wie Sie ein Projekt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kiel angehen und umsetzen können, dann haben wir die wesentlichen Informationen schon einmal zusammengestellt: Projekte machen.