Digital Challenge stellt vor: Großhändler Witte GmbH

Für den Großhandel hat die Digitalisierung viele verschiedene Aspekte, die zusammengebracht werden müssen. Im Wettbewerb zu neuen, im digitalen Umfeld gegründeten Unternehmen wie Amazon stellt die digitale Transformation eine besondere Herausforderung dar. Geschäftsführer Dieter Danneboom erläutert, welche das sind und welche Impulse er von der Digital Challenge erwartet.

Wie verändert sich der Vertrieb Ihres Großhandels durch die neuen digitalen Möglichkeiten?

Hier muss man mehrere Ebenen betrachten. Zunächst die Produktebene.

Zurzeit haben wir etwa 2,7 Millionen Artikel digital im Zugriff – davon ist der aufgearbeitete bestellbare Artikelstamm aktuell ca. 750.000 Artikel. Innerhalb von 7 bis 8 Jahren verdoppelte sich die verfügbare Menge.

Die Anzahl der Information pro Artikel steigt zudem stetig. Die Kunden erwarten Bilder, Videos, 3D-Ansichten, Links zu Herstellerseiten, Datenblätter, Sicherheitshinweise, Montage- und Bedienungsanleitungen und so weiter.

Auch die Anforderungen an die Suchmaschinen und die Darstellung der Suchergebnisse steigen. Der Onlineshop muss zudem mehrgerätefähig sein. Die Bereitschaft die Hilfefunktion zu nutzen sinkt dagegen immer weiter.

Was man auch sagen kann. Die Artikel werden intelligenter, erklärungsbedürftiger und stehen immer mehr im Kontext zu anderen vernetzten Komponenten. Daher steigt beispielsweise auch der Bedarf an Konfiguratoren an.

Und wie sieht es auf Kundenseite aus?

Auch hier hat sich etwas getan. Es werden immer mehr Schnittstellen von Handwerker-Software-Häusern gefordert. Die Handwerkersoftware bietet Bestpreisfunktionen. Die Prozesse zwischen Handwerk und Großhandel sowie Industrie wachsen mehr und mehr zusammen, also in Form von Verfügbarkeit, just-in-time-Lieferungen, vollständige Baustellenlieferungen und Reservierung von Ware über Abrufaufträge. Das sind nur einige Themen. Ein großer Fokus liegt natürlich auch auf der Terminzusage und dem durchgängigen transparenten Beschaffungs- und Logistikkonzept.

Viele Handwerker wissen noch nicht, wie sie mit dem Thema Digitalisierung umgehen wollen oder werden. Hier steht unserer Ansicht nach ein Generationskonflikt im Raum. Das wird immer deutlich, wenn es um Betriebsübergaben geht. Aus unserer Sicht werden hier Konfiguratoren, 3D-Anwendungen und -Brillen beim Verkaufsgespräch sowie im Support alltäglich werden.

Was bedeutet Digitalisierung für Ihre Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter müssen sehr flexibel auf neue Software und Prozesse reagieren und den Mut haben, auch mal was Neues auszuprobieren. Im Augenblick beschäftigen wir uns mit der Einführung einer Software zur Emotionserkennung am Telefon. Intern spielt eine gute Kommunikationsstruktur eine sehr wichtige Rolle – die hängt an der Kultur und den Mitarbeitern sowie der internen Generationskurve. Durch die Artikelvielfalt und die Tatsache, dass die Artikel intelligenter werden, steigt der Informationsbedarf und die Beratungsleistung an – das bedeutet viele Schulungen und die Bereitschaft zum Lernen.

Was ist der Unterschied zwischen Ihnen als Großhändler und großen Online-Händlern wie Amazon?

Auf dem Markt kämpft die old economy gegen die disruptiven Internet-Händler an. Für viele haben die Großhändler schon vor Jahren aufgeben sollen, da angeblich keine Chance bzw. Berechtigung bestehe. Dabei wird aber vergessen, dass zum Abgabepreis, Beratung, Kompetenz und menschlicher Bindung auch noch die Vorfinanzierung steht. Viele Handwerksunternehmer wären schon längst nicht mehr in der Lage ihr Geschäft zu führen, wenn dieser Faktor wegfallen würde. Heute schützt uns auch ein Großteil der Lieferanten, weil sie ihre Ware nicht über die Online-Plattformen verkaufen wollen. Daher ist auch Preis/Verfügbarkeit ein wesentlicher Unterschied.

Inwieweit wollen Sie die Digitalisierung bei Ihnen weiter ausbauen?

Im Einkauf ist bei uns eine Unterstützung eines „intelligenten“ DISPO-Tools offen. Hierbei könnte Künstliche Intelligenz oder maschine learning ein Thema sein, um die Verfügbarkeit zu erhöhen. Wir wollen außerdem wissen, inwieweit KI-Software eingesetzt werden kann, um die Kunden beim Einkauf, bei der Suchen und beim Finden sowie bei Vorschlägen von Artikeln und Alternativen besser zu unterstützen. Diese Unterstützung kann sowohl intern für die Mitarbeiter wie auch für den Onlineshop wichtig und richtig sein.

In der Logistik wollen wir eine durchgehende Tracking-Software mit Routenoptimierung einführen.

Welche Impulse erhoffen Sie sich durch die Digital Challenge?

Da wir im Wesentlichen nur in unserem Kundenstamm und bei Mitarbeitern und Angehörigen bekannt sind, wollen wir mit innovativen Themen auch ein bisschen öffentliche Wahrnehmung erreichen. Ich möchte die Mitarbeiter zudem mit auf die digitale Reise nehmen – durch das Involvieren werden sich alle mit den erarbeiteten Themen auseinandersetzen und auch die Notwendigkeit erkennen.

Zuletzt haben wir auch ein großes Interesse am Ergebnis – die eigene Sicht vernebelt manchmal den Blick. Außerdem denkt man aus Angst, zu weit vom eigenen Geschäftsmodell entfernt zu sein, Dinge nicht zu Ende. Daher bin ich gespannt zu erfahren, wie unsere zukünftigen Wettbewerber denken und im Markt auftreten wollen.

Über die Witte GmbH

Wir sind ein erfolgreiches in Schleswig-Holstein tätiges Unternehmen mit rund 120 Mitarbeitern an 2 Standorten. Unser Geschäftsfeld bildet seit 88 Jahren der beratende Großhandel mit dem Schwerpunkt Elektro-Artikel (Elektrogeräte, Elektroinstallation, Haustechnik, Industrieelektronik u. Messtechnik, Licht und Leuchten, Rundfunk- und Antennentechnik, Daten- und Netzwerktechnik, Videoüberwachung und Werkzeug). Unsere Kunden aus Industrie, Handwerk und Handel sind seit Jahren mit uns verbunden.