Digitale Medizintechnik: Wirtschaftsminister Buchholz begeistert vom Prototyp

  • Erfolgsgeschichte

Bereits im ersten Jahr hat das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kiel (M4KK) sein erstes Umsetzungsprojekt abgeschlossen. Die Firma Sachtleben GmbH hat zusammen mit dem Kompetenzteam Medizintechnik des M4KK als Demonstrator ein digitales, portables Therapiegerät entwickelt, das nun Teil einer Osteoporose-Studie werden wird.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz mit dem Prototypen

Kompetenzen zusammenbringen

Prof. Dr. Martin Leucker und Nikolas Knickrehm vom Kompetenzteam (hinten)

In der Wirtschaft sind Kooperationen inzwischen unerlässlich. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen. Karsten Falldorf, Geschäftsführer der Sachtleben GmbH, erklärt: „Der Vorteil der kleinen Unternehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Größe besonders agil sind. Auf der anderen Seite fehlen ihnen aber dadurch auch Ressourcen. Darum ist die Kooperation vor allem mit den Universitäten so wichtig.“

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz pflichtet ihm bei: „Ziel des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kiel ist es, gerade kleine Unternehmen ohne Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei der Digitalisierung zu unterstützen. Geht es in der öffentlichen Diskussion oft nur allgemein um die Digitalisierung, kann das Kompetenzzentrum helfen, konkrete Problemstellungen aufzuzeigen und Lösungen zu erarbeiten.“

Zentrumsleiterin Regine Schlicht ergänzt: „Es geht uns darum, Unternehmen zur Digitalisierung zu befähigen.“

Der erste Kontakt zwischen Karsten Falldorf und Prof. Dr. Martin Leucker von der Unitransferklinik Lübeck ergab sich auf einer Informationsveranstaltung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums in Lübeck. Die beiden kamen ins Gespräch und stellten schnell fest, dass das Medizintechnik-Team von M4KK genau die Kompetenzen hatte, die Sachtleben brauchte, um aus ihrem Medizingerät ein Medizingerät 4.0 zu machen.

Prototyp für elektromagnetische Therapien

Karsten Falldorf stellt die Orthese vor

Konkret geht es bei diesem Projekt um ein portables Therapiegerät, das über elektromagnetische Felder verschiedene Therapien möglich macht. Die Patient*innen erhalten z.B. nach einem Armbruch eine Orthese, mit der die Therapie zu Hause automatisch und selbständig durchgeführt werden kann und so zahlreiche Besuche in einer Praxis gespart werden. Die Orthese ist über ein Smartphone steuerbar und die Patientendaten können verschlüsselt von einer berechtigen Person vom Gerät ausgelesen werden.

„Wir haben uns zunächst angesehen, was die technischen Anforderungen für das Gerät sind. Es sollte z.B. so klein sein, dass es bequem an der Orthese befestigt werden kann“, erklärt Projektmitarbeiter Nikolas Knickrehm, „daraus ergab sich ziemlich schnell die Notwendigkeit einer Bluetooth-Schnittstelle, denn für eine Anzeige und Knöpfe war kein Platz mehr.

Zudem sollen die Patienten das Gerät ohne Aufladen mehrere Wochen tragen können. Darum war es wichtig, dass alle Komponenten möglichst wenig Energie verbrauchen.“

Wesentlich waren schließlich die Daten. Auf der einen Seite muss das Gerät wissen, welche Therapie es anwenden soll. Auf der anderen Seite müssen Log-Daten über den Therapieverlauf gesammelt werden, um sie später auszuwerten. Die Schnittstelle muss dabei so sicher sein, dass keine unberechtigten Personen diese mitlesen oder sogar das Gerät steuern können. Die Verschlüsselung der Daten ist daher selbstverständlich.

Karsten Falldorf mit einem Gerät aus vergangenen Tagen

Medizintechnik braucht technisches - aber auch juristisches Know-how

v.l.: Karsten Falldorf und Projektleiter Niklas Erdmann (Sachtleben GmbH)

Nach Abschluss des Umsetzungsprojektes liegt nun ein Demonstrator vor, der für Studien verwendet werden kann. Geplant ist im ersten Schritt eine Osteoporose-Studie, die in Kooperation mit weiteren norddeutschen Unternehmen und Institutionen durchgeführt werden soll.

„Zudem dient ein solcher Prototyp dazu, ihn Investoren und Stakeholdern vorzustellen. Durch den jetzt vorliegenden Demonstrator erhalten sie eine genau Vorstellung von dem, was wir vorhaben“, erklärt Karsten Falldorf. Somit hilft das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kiel auch dabei, diese Innovation möglich zu machen und das Risiko von Fehlinvestitionen für kleine Unternehmen wie der Sachtleben GmbH zu minimieren.

Gerade medizinische Geräte sind eine besondere Herausforderung, da sie bis zur Verkaufsreife einen langen Weg gehen müssen. Die europäische Medical Device Regulation (MDR) verlangt eine ganze Reihe an Studien, ehe ein Gerät am Patienten angewendet werden darf. Das ist mit hohen Kosten verbunden, die kleine und mittelständische Unternehmen alleine nicht tragen können.

Zudem ist es wichtig, schon bei der Entwicklung diese gesetzlichen Anforderungen im Auge zu behalten. „Das ist eine Kompetenz, die wir als Uniklinikum einbringen können“, sagt Prof. Leucker, „unsere Mitarbeiter kennen die Anforderungen des MDR. Es nützt nichts, eine Lösung zu entwickeln, die am Ende den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht, dann war alles umsonst. Deshalb ist es so wichtig, diese schon ganz am Anfang mit einzubringen.“

Ein Jahr ist um: Was kommt jetzt?

Insgesamt zeigt sich Wirtschaftsminister Bernd Buchholz zufrieden mit den ersten Ergebnissen des Kompetenzzentrums. Über 600 erreichte Unternehmen seien schon mal eine „Hausnummer“. Dieses Lob ist Bestätigung und Herausforderung zugleich. Bestätigung, weil sich gezeigt hat, dass das Angebot stimmig ist. Und Herausforderung, weil die Erfahrungen des ersten Jahres bescheinigen, dass es noch viel Potential für gemeinsame Projekte in Schleswig-Holstein gibt. Ausruhen sei nicht angesagt, so Leiterin Regine Schlicht. Ganz im Gegenteil. Mehrere Projekte mit Unternehmen seien bereits gestartet und sollen in 2020 abgeschlossen werden.

„Natürlich merken auch wir, welche Themen Unternehmen derzeit intensiv beschäftigen“, erklärt Regine Schlicht. „Künstliche Intelligenz, Robotik oder Indoor-Ortung – um einige zu nennen. Neben diesen technisch orientierten Themen besteht auch ein großer Bedarf an den Themen Wirtschaftlichkeit und Innovationsmanagement.“ Auf diese Anforderungen werde das Zentrum mit entsprechenden Angeboten reagieren – so das Ziel für 2020.

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Ansprechpartner Medizintechnik

Prof. Dr. Martin Leucker
Teilprojektleiter Medizintechnik

Prof. Dr. Martin Leucker

Nikolas Knickrehm
Vernetzung und IT-Sicherheit

Nikolas Knickrehm
Telefon: 0451 3101 6525

David Caraveo
Medizintechnik

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